Neues Finanzdokument von Iustitia et Pax

Direktorin Prof. Gabriel beim Rat für Gerechtigkeit und Frieden

bei einer internationaler Tagung zur Wirtschafts- und Finanzkrise

Direktorin Prof. Gabriel mit Präsidenten Peter Kardinal Turkson
Direktorin Prof. Gabriel mit Präsidenten Peter Kardinal Turkson

Das Papier der Päpstlichen Kommission Iustitia et Pax  liegt nun in deutscher Übersetzung vor. Sein Ziel ist es, die in der katholischen Soziallehre tief verankerte Idee, dass Globalisierung auch globale politische Institutionen braucht, die für das globale Gemeinwohl zuständig sind, für die gegenwärtige Situation zu konkretisieren. Denn nur so kann eine sozial ausgewogene und solidarische Entwicklung weitergeführt werden. Um diese Fragen zu diskutieren, fand in Rom im Mai eine Tagung statt, an der viele hochrangige Vertreter aus der Industrie- und Finanzwelt teilnahmen.Frau Prof. Gabriel zählte zu den geladenen ExpertInnen.

Initiates file downloadAuf dem Weg zu einer Reform des internationalen Finanz- und Währungssystems

Der Päpstliche Rat für Gerechtigkeit und Frieden will konkrete Schritte erarbeiten, um die Wirtschafts- und Finanzkrise zu überwinden. Dazu fand im Mai in Rom ein Kolloquium, an dem neben Vertretern des Rates auch Protagonisten der Finanz- und Bankenwelt teilnehmen. Ein Dokument aus dem Jahr 2011 zur Reform des Finanzsystems bildet die Grundlage; so der Hauptorganisator des Treffens, Kardinal Peter Turkson im Gespräch mit Radio Vatikan. Dieses Dokument sei ein Erfolg gewesen, weil bei der Vorstellung in Frankfurt sehr viele Bank- und Finanzleute positiv darauf reagiert hätten, erklärt der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden.

 

„Nun geht es um die zweite Runde. Diesmal geht es uns darum, über konkrete Schritte nachzudenken. Was sollen wir konkret tun, um diese Krise zu überwinden. Die Krise ist ja schon fast fünf Jahre alt. Aber es gibt keine Zeichen für ein Ende. Wir glauben, dass die Kirche mit ihrer Soziallehre etwas anzubieten hat. Das möchten wir nun in diesem Kolloquium vertiefen, um etwas Konkretes hervorzubringen.“

 

Bei dem Dokument aus dem Jahr 2011 ging es auch um den Vorschlag einer internationalen Aufsicht, die die globale Finanzwelt kontrollieren würde. Dieser Gedanke wurde bereits zu Beginn des Kolloquiums an diesem Montag heftig diskutiert.

 

„Wir haben so viele Vorschläge bereits an diesem ersten Kolloquiumstag gehört. Einer hat beispielsweise vorgeschlagen, wir sollen ein weiteres Kolloquium in Washington durchführen, um mit den Leuten der Weltbank zu sprechen. Vielleicht ist das eine gute Idee, aber wir müssen ganz demütig unsere Vorschläge weiter durchdenken. Wenn aber Finanzleute wirklich den Wunsch einer internationalen Aufsicht haben, dann möchten wir mithelfen.“

 

Auch Papst Franziskus gibt mit seinen bisherigen Äußerungen wichtige Impulse für Wirtschafts- und Finanzleute. Das sagt im Gespräch mit Radio Vatikan die Präsidentin der österreichischen Justitia-et-Pax-Kommission, Ingeborg Gabriel, die das Kolloquium leitete. Franziskus stehe für Armut, Umweltschutz und Frieden.

 

„Ich finde das sind ganz wichtige Anstöße, denn im Endeffekt sind wir als Kirche den Armen verpflichtet. Wir sind auch der Ökologie verpflichtet, was ja sehr oft mir der Armut einhergeht: Es sind die Ärmsten, die am meisten unter den ökologischen Problemen, die wir heute weltweit haben, leiden. Das müssen wir im Blick haben. Man muss auch immer wieder betonen: Wenn es uns nicht gelingt, das Finanzsystem, das Gemeinwohl dahingehend zu durchdenken, dass es denen hilft, die am meisten darunter leiden, dann verfehlen wir unsere Aufgabe als Ethiker und Katholiken.“

 

Es sei wichtig, die Gründe für die Finanzkrise zu klären. Dies sei der erste Schritt, um Lösungen zu finden, so Gabriel.

 

„Das Finanzsystem ist über weite Strecken von Fragen des nationalen Gemeinwohls abgekoppelt worden, zum Teil aber auch vom wirtschaftlichen Gemeinwohl. Die Realwirtschaft bekommt keine Kredite mehr. Hier ist also ein internationaler Finanzmarkt mit einem großen spekulativen Potential entstanden - und mit einem Großmaß an Akteuren, die ein mangelnden Verantwortungsbewusstsein haben. Das hat starke Auswirkungen auf die Realwirtschaft und damit auch auf das Leben der Menschen. Hier können katholische Bankiers und christliche Wirtschaftsleute Brücken bauen, damit diese Abkoppelung gestoppt werden kann. Das ist unser Ziel.“

 

(Radio Vatikan 13.05.2013 mg)

 

Initiates file downloadTowards Reforming Financial Systems

Initiates file downloadProgramm der Tagung

Initiates file downloadTurkson - Towards the common good at the global level

Gabriel Interview Presse:Initiates file downloadUnser aller Wohlstand ist bedroht