Pacem in Terris

"Vision oder Illusion - 50 Jahre Pacem in Terris"

50 Jahre Pacem in Terris – Kirchliches Friedenshandeln zwischen Vision und Illusion

Johannes XXIII. schrieb Pacem in Terris in einer gefährdeten Zeit: Die Welt wurde beherrscht von der Bedrohung des Kalten Krieges zwischen Ost und West, die Menschen fürchteten sich vor einem drohenden Nuklearkrieg. Heute bestimmen andere Sorgen das Leben der Menschen. Hat diese berühmte Friedensenzyklika heute dennoch Bedeutung?

Diese Frage bewegte die ca. 100 Gäste der Veranstaltung „50 Jahre Pacem in Terris – Kirchliches Handeln zwischen Vision und Illusion“ vom 09. bis 10. April 2013 in der Katholischen Akademie Berlin. Generalsekretär Dr. Stefan Krummel war für die Österreichische Kommission Iustitia et Pax dort.

Dr. Jörg Lüer (Justitia et Pax Deutschland), Dr. Veronika Bock (zebis) und LWissDir i.K. Lothar Bendel (Katholisches Militärbischofsamt) stellten ein Programm zusammen, das nicht nur die historisch-kulturelle Dimension der Enzyklika beleuchtete, sondern gerade auch deren aktuelle Bedeutung.

Das gelang gerade besonders im Rahmen der Auftaktveranstaltung in der Berliner Kapelle der Versöhnung in der ehemaligen Todeszone der Berliner Mauer. Diese steht auf dem Platz der ehemaligen aber Versöhnungskirche. Durch den Bau der Berliner Mauer stand sie – gleichsam über Nacht und unerreichbar für ihre Gemeinde – im Todesstreifen und wurde schließlich 1985 im Auftrag der DDR gesprengt. 1995 bekam die Gemeinde das Grundstück zurück und baute die Kapelle der Versöhnung aus den Trümmern der zerstörten Kirche auf. Auf geschichtsträchtigem Boden also, ließen Anna Thalbach und Heikko Deutschmann den berühmten Text in großen Auszügen durch ihre künstlerische Ausdruckskraft lebendig werden.

Den politischen Hintergrund und die unmittelbare Wirkungsgeschichte der Enzyklika zeigte Prof. Dr. Thomas Brechenmacher (Universität Potsdam) auf. Er legte dar, dass sie  mit hoher Aufmerksamkeit in Ost und West rezipiert wurde – naturgemäß unterschiedlich. Eines ist in seinen Ausfrührungen überdeutlich geworden, dass das Dokument aufgrund seiner beeindruckenden Rezeptionsgeschichte für den weiteren historischen Verlauf von großer Bedeutung war.

Den Sprung von der Geschichte in die Gegenwart vollzog Prof. Dr. Heiner Bielefeld (Universität Erlangen-Nürnberg). In seinem Vortrag verdeutlichte er vor allem die aktuelle Bedeutung von Pacem in Terris. Er stellte heraus, dass das Konzept der Menschenrechte zwar gegenwärtig nicht offen angegriffen wird, die Menschenrechte aber mehr denn je in der Gefahr stehen, relativiert zu werden. Verwurzelt in der theologischen Tradition der Enzyklika, sieht er die Aufgabe der katholischen Kirche darin, solchen Bestrebungen entgegenzutreten. Auch der Begründungszusammenhang zwischen Menschenwürde und Menschenrechten muss gerade heute immer wieder hergeleitet und verteidigt werden. Eben dies leistet in besonderer Weise dieses Jubiläumsdokument.

In einer Podiumsdiskussion mit Dr. Bernhard Vogel (Konrad-Adenauer-Stiftung) und Markus Meckel (Außenminister a.D., DDR) wurden biographische Perspektiven auf die Zeitgeschichte geworfen. Während Dr. Vogel von der Konzilszeit und seiner begeisterten Lektüre von Pacem in Terris zu berichten wusste, stellte Herr Meckel einen Zusammenhang zwischen der Entstehung der Enzyklika, seiner Zeit als Oppositioneller in der DDR und dem Fall der Berliner Mauer her.

Zum Abschluss der Tagung diskutierte Reinhard Kardinal Marx (Erzbischof von München und Freising) in seinem Beitrag „Kirche als Friedensakteur. Teil des Problems oder Teil der Lösung?“ selbstkritisch die Rolle der Kirche in Friedens- und Konfliktprozessen. Er führte dabei aus, dass die Kirche weder auf die eine noch auf die andere Rolle zu reduzieren ist. Da die Kirche niemals über ihrer Zeit, über sozialen Strukturen und über den Menschen steht, ist sie stets in die verschiedenen Sozialgefüge eingebunden und unterliegt ihnen auch gelegentlich. Gleichzeitig stellt sie aber auch eine Lösung dar, denn die Kirche hat nicht eine Friedenslehre, sondern ist selbst Friedenslehre. Vor allem die Botschaft von Vergebung und Versöhnung untereinander und mit Gott vermag Wege des Friedens zu eröffnen, ohne sich hierbei bedingungslos an ein starres Opfer-Täter-Schema zu halten. 

Paradigmatisch hierfür erwähnte Kardinal Marx das Wort der polnischen Bischöfe an die deutschen Bischöfe im Jahr 1965: „Wir vergeben und bitten um Vergebung“.

 


Reinhard Kadinal Marx

Heiko Deutschmann

Anna Thalbach

Dr. Jörg Lüer / Kardinal Marx

Nuntius Jean-Claude Perisset /MilitärGV Wakenhut